Die Geschichte

"Wo man von Schönheit trunken wird"

Das Dresdner Elbtal zwischen Übigau und Pillnitz - eine Flusslandschaft
und die bezaubernde Idee einer Gondelfahrt.

 



(Abb. 1) :: Schloss Übigau, 1728
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(Abb. 2) :: Von der Neustädter Seite ein Blick auf die Brühlsche Terrasse
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(Abb. 3) :: Die Elbfront der Dresdner Neustadt, um 1800, mit Blockhaus, Augustusbrücke und Neustädter Markt. Im Hintergrund das Neustädter Rathaus und die Dreikönigskirche.
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(Abb. 4) :: Die Weinberge von Dresden nach Pillnitz
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(Abb. 5) :: Links Hosterwitz mit der Kirche Maria am Wasser, rechts Kleinzschachwitz.
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Wie bei fast allem in und um Dresden hat hierbei August der Starke, von 1694 bis 1733 Kurfürst von Sachsen, ab 1697 auch König von Polen, das Fundament gelegt.

Er hatte von einer Kavaliersreise die ursprünglich den Abschluss der Erziehung darstellte und der Bildung des Reisenden den „letzten Schliff" geben sollte aus Italien die Idee mitgebracht, aus der Elbe einen sächsischen Canal Grande zu machen. Mit barockem Pomp wollte er auf dem Fluss Gondelfahrten zelebrieren. Schließlich hatte er einen Ruf zu verteidigen, galt er im Europa des beginnenden 18. Jahrhunderts doch als ein Großmeister der prunkvollen Inszenierungen.

Legendär die prachtvolle Kunst seiner beschwingten Barockmetropole, legendär auch die nicht enden wollenden Feste in der Residenzstadt. Zu denen sollten sich nun als neue Attraktion bombastisch aufgemachte Schiffsparaden gesellen. Für die wollte er die Gegebenheiten des lieblichen Elbtals um Dresden nutzen und dabei - nach venezianischem Vorbild - seine architektonischen Schätze präsentieren.

In Schloss Übigau im Westen der Stadt ging die höfische Gesellschaft, die August der Starke auf seine Boote geladen hatte, zu Schiff. Hier startete das Spektakel. Es bleibt der Fantasie jedes Einzelnen überlassen, sich das aufwendige Begleitprogramm der Wasserfeste auszumalen.

Vorbei geht es elbaufwärts an der Silhouette Dresdens mit Schloss und Hofkirche, dem Zwinger und der Brühlschen Terrasse, dann durch die sanfte Flusslandschaft. Wiesen und Hänge im satten Grün, zeitweilig steil ansteigend, rahmen die Festgesellschaft auf den Schiffen.

Kleine Kirchen in Pastelltönen bilden bunte Tupfer in der Natur, manche am Berg gelegen, andere direkt am Ufer stehend. Zum Teil sind die Hügel auf der Nordseite des Flusses mit Wein bepflanzt, die geraden Reihen der Reben geben dem barocken Auge ein wenig das befriedigende Gefühl von bezwungener Natur.

Und von der kommt nach fast zwanzig Flusskilometern am Endpunkt der historischen Schifffahrt mehr als genug: Die grandiose Schlossanlage von Pillnitz am Nordufer kündigt sich mit einem durchkomponierten Park an. Die Hauptachse begleitet parallel das Ufer, bis sie im Schlosshof in einen Lustgarten mit kunstvollen Parterre-Beeten mündet. "Indianische Lustgebäude" wünschte sich der sächsische Kurfürst für das ländliche Sommervergnügen, und die Chinoiserien, verbunden mit den warmen Farben der Gebäude, vermitteln gekonnt eine vollendete Heiterkeit. Eine breite Freitreppe vor dem Wasserpalais führt vom Fluss auf das Niveau der Schlossanlage, die höfische Feiergesellschaft hat das Ziel ihrer Reise erreicht und entsteigt ihren Gondeln.

August selbst hatte die Schlossanlage um 1720 auf Zeichnungen entworfen. Sie wurde allerdings von seinem Hofarchitekten Matthäus Daniel Pöppelmann behutsam in einen realisierbaren Rahmen korrigiert. Geschadet hat das, wie man am Ergebnis sieht, nicht. Ein zentraler Schlossbau wird umgeben von zwei Palais, einer Menagerie und einem großen Garten mit Orangerie. Ihren besonderen Charakter erhalten die Pillnitzer Schlossgebäude durch die orientalisierenden Formen. Nicht unbedingt neu als Bauidee in jener Zeit, aber perfekt wie kaum woanders ausgeführt.

(Abb. 6) :: Schloss Pillnitz, das Wasserpalais an der Elbe.
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(Abb. 7) :: Schloss Pillnitz, 2009
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(Abb. 8) :: Schloss Übigau, 2009
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Jede Nichtigkeit wird zum Anlass genommen, die Gondolieri Kurs auf Pillnitz nehmen zu lassen. Jagd-, Jahrmarkt-, Schützen-, Schäfer-, Bauern-, Kriegs-, Tier- oder Karnevalsmaskeraden müssen als Gründe für die immer häufigeren "Campements" vor Ort herhalten. Ab 1765 wurde Pillnitz zur Sommerresidenz des Dresdner Hofes. Selbst preußische Könige lassen sich zu begeisterten Sätzen über das Elbtal hinreißen: Als Friedrich Wilhelm II. 1791 zum Pillnitzer Fürstentreffen eintrifft, ruft er aus: "Wohin man blickt, wird man von Schönheit trunken!" Und das wahrhaft Schöne ist: In dieser Harmonie lässt sich das Elbtal auch heute noch erleben. Natürlich hat sich einiges seit Augusts Zeiten verändert: Die kleinen Weiler am Ufer - zum Teil noch immer dörflichen Charakters - sind mittlerweile Teil der Großstadt Dresden geworden.

Vom bunten Glanz der Pillnitzer Fassaden kann Schloss Übigau nur träumen. Es war von August dem Starken 1726 als Ausgangspunkt seiner festlichen Elbfahrten gekauft worden. Wie schon das Holländische Palais gegenüber der Altstadt, das der Kurfürst ab 1717 zum Japanischen Palais umbauen ließ und das mit einer Gondelanlegestelle ausgestattet wurde, erwarb er es von Feldmarschall Graf Flemming. Damit konnte er sich der mühseligen Genehmigung für Neubauten durch die Ständeversammlung entziehen. Johann Friedrich Eosander von Göthe hatte das kleine Schloss und den Park 1724 im französischen Stil erbaut. Die Anlage besaß einen reich geschmückten Park mit zwei Torhäusern zur Landseite, vier Pavillons, Wirtschaftsflügel, Orangerie und Springbrunnen. Das benötigte Grundstück wurde durch Enteignung der Bauern Rumpe, Adam, Wirthgen und Vogel gewonnen. Noch während der Bauarbeiten interessierte sich Friedrich August I. für das Schloss und erwarb es im besagtem Jahr, erweiterte die barocke Gartenanlage noch und nutzte es für glanzvolle Feste. Damit zum Beispiel die Hofgesellschaft in die wartenden Schiffe einsteigen konnte, wurde eine zweiflügelige Treppenanlage ans Elbufer gebaut. 1753 fand ein militärisches Lustlager statt. Friedrich August II. überlässt später das Schloss dem Grafen Sulkowski, dem Rivalen von Graf Brühl.

Sich hier heute rauschende barocke Feste vorzustellen, erfordert allerdings eine enorme Fantasie. Ein im Juli 2009 gegründeter "Förderverein Schloss Übigau für Kunst und Kultur e.V. " betreibt zur Zeit im Schlosspark eine Schlosswirtschaft und erarbeitet in Zusammenarbeit mit dem Eigentümer eine Konzeption zur Nutzung von Schloss und Park. (1), (2)

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